Praxis für Psychotherapie  

Pia Reinhart


 

Die Therapie von posttraumatischen Belastungsstörungen


Diese benötigt aufgrund der neurobiologisch veränderten Speicherung von traumatischen Erfahrungen traumaspezifische Methoden.


Die Behandlung der traumatischen Symptome erfolgt nach dem 4-Phasen-Modell der Traumatherapie.


1. Phase: Traumaspezifische Anamnese, Diagnostik und Beziehungsaufbau

2. Phase: Stabilisierung und Ressourcenaktivierung

3. Phase: Traumabearbeitung mit traumaspezifischen Methoden -  wie EMDR

4. Phase: Integration und Neubewertung


EMDR

Dies ist eine international gebräuchliche Bezeichnung für eine Therapiemethode und steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was so viel wie Neubewertung durch Augenbewegungen bedeutet. Diese Methode wurde von der Amerikanerin Dr. Francine Shapiro von 1987-1991 entwickelt. Auf einem Spaziergang entdeckte sie zufällig die beruhigende Wirkung von schnellen Augenbewegungen, zu denen sie durch den ständig wechselnden Lichteinfall gezwungen wurde. Aus dieser eher zufälligen Entdeckung entwickelte sie ein Konzept, das man heute wohl eher als bilaterale, also zweiseitige, Stimulierung bezeichnen würde. Denn auch die bilaterale Stimulierung mittels Tönen oder Berührung hat sich als ebenso erfolgreich erwiesen. Erste erfolgversprechende Versuche machte man damals mit Vietnam-Veteranen. Viele kamen als seelische Krüppel zurück und wurden immer wieder von ihren Erinnerungen heimgesucht. Mittels EMDR konnte man ihnen häufig wieder zu einem selbstbestimmten Leben verhelfen. Mit diesen ausgesprochen beeindruckenden Therapieerfolgen trat diese Therapiemethode ihren Siegeszug um die Welt an. Viele Therapeuten können es anfangs kaum glauben, mit welchem Tempo sie mit der Methode heute arbeiten können. EMDR ist natürlich keine Wunderwaffe für alle seelischen Erkrankungen. Aber sie ist gut untersucht, bei allen schädigenden Einflüssen durch Traumata.  Mittlerweile wird EMDR nicht nur zur Therapie einer Posttraumatischen Belastungsstörung sondern auch bei der Behandlung von Ängsten, Phobien, substanzgebundenen Süchten, Trauer, psychosomatischen Erkrankungen, ADHS und einschränkenden Verhaltensweisen eingesetzt.

Langzeitstudien belegen, dass dieses Verfahren schneller und besser wirkt als andere bekannte Therapiekonzepte. Im Juli 2007 wurde durch die Bundesärztekammer die EMDR-Methode bei Erwachsenen als Methode zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen anerkannt. Auch in der Arbeit mit Kindern hat sie sich häufig bewährt. Es ist beeindruckend, wie schnell sich gerade Kinder von schmerzhaften Erfahrungen erholen können.  Neueste neurologische Forschungen erklären die wirksame Verarbeitung traumatischer Inhalte durch bilaterale Stimulierung. Dazu ist es nötig, sich im geschützten Rahmen der Therapie an das schmerzhafte Ereignis zu erinnern. Dabei werden die Erinnerungsfragmente aus den diffusen Bereichen des Gehirns hervorgeholt und in einen Bereich geladen, der für die Informationsverarbeitung zuständig ist. Die bilaterale Stimulierung sorgt jetzt für eine Synchronisation der beiden Gehirnhälften, was letztendlich dazu führt, dass das Trauma auch für das Unbewusste verarbeitet werden kann. Viele Patienten berichten, dass sie sich sehr wohl noch erinnern können, was ihnen widerfahren ist, aber es macht ihnen nichts mehr aus.  In Wahrheit ist das Geschehen sehr viel komplexer und die Wissenschaftler haben noch viele offene Fragen. Auch in Deutschland wird geforscht und weiterentwickelt.    Das bedeutet in der Therapie, dass sich Belastungen mit den Ressourcen der Patienten abwechseln. Ganz im Verborgenen liegen die Lösungen des Patienten schon bereit. Im Laufe des Therapieprozesses kommt der Patient immer stärker in das selbstbestimmte Handeln.    Das prädestiniert EMDR auch für eine Kurzzeittherapie. Eine einzige EMDR-Sitzung bringt häufig schon tiefgreifende Veränderungen, denen auch die Zeit gegeben werden muss, sich als neues Verhalten etablieren zu können.  Wenn Menschen sich für eine Therapie oder ein Coaching entscheiden, dann heißt das zuallererst, dass sie Veränderungen wünschen und dass noch Wünsche offen sind, was die eigene Lebensqualität anbelangt. Die Verarbeitung seelischer Verletzungen ist dann in vielen Fällen ein wichtiger Bestandteil einer Therapie. Solange im Verborgenen noch unverarbeitete Bedrohungen lauern, kosten diese eine Menge wertvoller Lebensenergie, die nach der Therapie für andere Dinge zur Verfügung stehen kann. Das steigert die eigene Leistungsfähigkeit und äußert sich im Ergebnis häufig durch wiedergefundene Lebensfreude.  Allerdings ist EMDR als Kurzzeittherapie nur geeignet für Menschen, die selbst die Verantwortung für ihr Leben übernehmen und eine aktive Rolle für ihre Gesundheit spielen wollen. EMDR wird nicht funktionieren, wenn der Patient passiv bleibt und erwartet, dass der Therapeut ihn ohne sein eigenes Zutun gesund machen kann.


Was sind traumatische Erfahrungen?


Traumatische Erfahrungen können jeden Menschen treffen.

Hierzu zählen beispielsweise schwere lebensbedrohliche körperliche Erkrankungen, schwere Unfälle, plötzliche Verluste oder Tod von wichtigen Bezugspersonen, Überfälle und Naturkatastrophen und sexuelle, körperliche und emotionale Gewalt.

Wie die neurobiologische Forschung zeigt werden traumatische Erfahrungen anders vom Gehirn verarbeitet als normale Alltagserlebnisse - sie werden bruchstückhaft, fragmentiert und oft als Körper-, Bilder- oder Geruchserinnerungen gespeichert.

Sie hinterlassen zahlreiche körperliche und psychische Symptome.


Traumafolgesypmptome


Hierzu gehören:

* Intrusionen - sich aufdrängende Bilder oder Gedanken an das traumatische Ereignis, unangenehme Gefühle oder Alpträume

* Hyperarousal: Unruhe, Schlaflosigkeit, Ängste, Angespanntheit, Reizbarkeit

* Vermeidung: emotionales Betäubtsein, Teilnahmslosigkeit, Rückzug, Fremdheitsgefühle, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe, geringe Selbstachtung.


Als Langzeitfolgen können als komorbide Störungen Depressionen, Essstörungen, Suchtmittelprobleme, somatoforme Störungen, Ängste und dissoziative Symptome auftreten.